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„Thekentalk“ Folge 3: Supermarkt oder Restaurant? Warum nicht beides?
Veröffentlicht am: 16.10.2026, Lesedauer: 10 Minuten
Der Lebensmitteleinzelhandel entwickelt sich zunehmend zu einem Ort, an dem nicht nur eingekauft, sondern auch gegessen, genossen und verweilt wird. Damit gewinnen gastronomische Angebote im Supermarkt immer mehr an Bedeutung. Was ein erfolgreiches Gastronomiekonzept im Supermarkt ausmacht und welche Chancen moderne Technologien und neue Verpflegungskonzepte bieten, erfahren Sie in der dritten Folge unseres Podcats „Thekentalk“.
Unsere Gäste:
• Christian Kolb, Gastronomieberater bei AICHINGER
• Klaus Würl, Key Account Projektmanager bei AICHINGER
Was versteht man unter Handelsgastronomie?
Handelsgastronomie schafft Mehrwert weit über den reinen Einkauf hinaus. Sie bietet Kundinnen und Kunden einen Ort, an dem sich Einkauf, Genuss und Aufenthalt miteinander verbinden. Frische, Vertrauen in die angebotenen Produkte und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis spielen dabei eine zentrale Rolle. So entsteht ein Umfeld, das den täglichen Bedarf abdeckt und gleichzeitig zum Verweilen einlädt.
Wie hat sich die Nachfrage nach Handelsgastronomie in den letzten Jahren verändert?
Handelsgastronomie gewinnt zunehmend an Bedeutung, da sich die Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden sowie ihr Einkaufsverhalten stetig verändern. Der Lebensmitteleinzelhandel entwickelt sich immer stärker zu einem Ort, an dem Einkaufen, Genuss und Begegnung zusammenkommen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben diesen Wandel zusätzlich beschleunigt. Gleichzeitig ist die Zahl vieler kleiner, klassischer Gastronomiebetriebe zurückgegangen. Mit gastronomischen Angeboten, die über den reinen Einkauf hinausgehen, schließen Handelsunternehmen diese Lücke und schaffen neue Aufenthaltsqualitäten. So etablieren sich Supermärkte zunehmend als soziale Treffpunkte und wichtige Versorgungszentren im lokalen Umfeld.
Welchen Antrieb haben Händlerinnen und Händler, die in Gastronomie investieren?
Ursprünglich starteten viele Konzepte mit einfachen Warmtheken und Snackangeboten. Dahinter stand nicht nur der Wunsch, zusätzliche Umsätze zu generieren, sondern auch die Idee, Kunden tiefer in den Markt zu führen und die Verweildauer zu erhöhen. Gleichzeitig profitierten die Angebote von einem hohen Vertrauensvorschuss. Frisch zubereitete Speisen aus eigener Herstellung oder in direkter Verbindung zu den Fachabteilungen vermittelten Qualität, Handwerk und Authentizität.
Mit der positiven Entwicklung dieser Konzepte wurde deutlich: Gastronomische Angebote beeinflussen nicht nur den unmittelbaren Verkauf, sondern auch die Gesamtwahrnehmung eines Marktes. Wer sich vor Ort gut versorgt fühlt und ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis erlebt, verbindet den Einkauf mit einem positiven Erlebnis und kehrt gerne zurück. Handelsgastronomie wird damit zu einem wichtigen Instrument der Kundenbindung.
Gleichzeitig entwickeln sich die Konzepte kontinuierlich weiter. Während Snack- und To-go-Angebote häufig im Markt integriert sind, gewinnen hochwertigere Gastronomiebereiche mit frisch zubereiteten Tellergerichten zunehmend an Bedeutung. Sie stellen jedoch andere Anforderungen an Standortplanung, Flächenkonzepte und Kundenführung.
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel in Märkten, die ihr gastronomisches Angebot gezielt ausbauen. Dort entstehen eigenständige Gastronomiebereiche, die teilweise sogar unabhängig vom Markt gut besucht werden. Häufig ist dies eine Reaktion auf die wachsende Nachfrage sowie auf den Rückgang gastronomischer Angebote im direkten Umfeld. In solchen Projekten sind individuelle Konzepte gefragt, die sowohl die wirtschaftlichen Ziele des Betreibers als auch die Erwartungen der Kunden berücksichtigen. Dabei geht es zunehmend darum, langfristige und zukunftsfähige Lösungen zu entwickeln, die oftmals bereits auf die nächste Unternehmergeneration ausgerichtet sind. Dadurch wird Handelsgastronomie zu einem zentralen Baustein moderner Marktkonzepte und einer nachhaltigen Positionierung im Wettbewerb.
Jeder Standort braucht sein eigenes Konzept
Der Erfolg eines Handelsgastronomie-Konzepts beginnt mit einer fundierten Analyse. Jeder Standort bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit, von der Wettbewerbssituation über die Zielgruppen bis hin zu bestehenden Versorgungsangeboten im Umfeld. Deshalb gibt es keine Standardlösung, die überall funktioniert.
Gefragt sind individuelle Konzepte, die auf die lokalen Bedürfnisse abgestimmt sind. Dabei bringen Betreiber häufig bereits konkrete Vorstellungen mit, erwarten aber zugleich Impulse und eine ehrliche Einschätzung von erfahrenen Partnern. Ziel ist es, Potenziale zu identifizieren und daraus tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Entscheidend ist dabei der Blick auf das direkte Umfeld: Welche Menschen bewegen sich am Standort? Welche Angebote fehlen? Welche Rolle kann der Markt künftig übernehmen? Besonders in ländlichen Regionen oder dort, wo klassische Gastronomieangebote verschwinden, entwickeln sich Handelsunternehmen zunehmend zu zentralen Treffpunkten und Versorgungsstandorten.
Handelsgastronomie ist deshalb weit mehr als ein zusätzliches Umsatzfeld. Richtig geplant stärkt sie die Kundenbindung, erhöht die Attraktivität des Standorts und kann einen wichtigen Beitrag zum sozialen Leben vor Ort leisten. Erfolgreiche Konzepte entstehen dabei nicht durch das Kopieren bestehender Lösungen, sondern durch ein tiefes Verständnis für die Besonderheiten jedes einzelnen Standorts.
Welche Speisen funktionieren in der Handelsgastronomie besonders gut?
Grundsätzlich können alle gastronomischen Angebote im Handel erfolgreich sein. Entscheidend ist weniger die konkrete Speisenkategorie als vielmehr ein klares Konzept mit einer eindeutig definierten Zielgruppe. Ob Burger, Pizza, regionale Küche oder vegetarische Gerichte: Erfolgreiche Handelsgastronomie zeichnet sich durch eine erkennbare Handschrift aus.
Statt möglichst viele Trends und Ernährungsformen gleichzeitig abzudecken, sollten Betreiber bewusst Schwerpunkte setzen. Eine klar positionierte Gastronomie schafft Orientierung für die Gäste, erleichtert die operative Umsetzung und stärkt die Wiedererkennbarkeit des Angebots.
Dabei gilt: Nicht die Größe der Speisekarte entscheidet über den Erfolg, sondern die Konsequenz des Konzepts. Märkte, die sich auf wenige Gerichte oder eine bestimmte kulinarische Ausrichtung konzentrieren und diese mit hoher Qualität umsetzen, erzielen häufig die besten Ergebnisse. Gleichzeitig lassen sich Prozesse effizient gestalten, indem vorhandene Produkte und Ressourcen intelligent genutzt werden.
Am Ende steht immer dieselbe Frage: Welche Gäste möchte ich ansprechen und wofür soll meine Gastronomie stehen? Wer darauf eine klare Antwort hat, schafft die Grundlage für ein wirtschaftlich erfolgreiches und langfristig tragfähiges Konzept.
Wie wichtig ist das Erscheinungsbild mittlerweile für Kunden?
Das Erscheinungsbild einer Handelsgastronomie spielt eine wichtige Rolle für die Wahrnehmung durch die Kunden. Wie ein Konzept gestaltet wird, hängt jedoch stark vom jeweiligen Standort und der Zielgruppe ab. Während in urbanen Lagen häufig moderne und trendbewusste Gestaltungskonzepte gefragt sind, stehen in ländlichen Regionen oft Vertrautheit, Übersichtlichkeit und Authentizität im Vordergrund.
Unabhängig vom Standort bilden einige Grundprinzipien die Basis jeder erfolgreichen Gestaltung: eine klare Struktur, eine hochwertige Warenpräsentation, gute Beleuchtung sowie ein sauberes und einladendes Umfeld. Sie schaffen Orientierung und Vertrauen und tragen maßgeblich zum Gesamterlebnis bei.
Darauf aufbauend erhält jede Handelsgastronomie ihren individuellen Charakter. Die Gestaltung sollte stets zum Markt und zum gastronomischen Konzept passen. Gleichzeitig kann es sinnvoll sein, bewusst Akzente zu setzen und sich gestalterisch vom übrigen Markt abzuheben, insbesondere in urbanen Standorten oder bei innovativen Gastronomiekonzepten.
Entscheidend ist letztlich die richtige Balance: Ein attraktives Erscheinungsbild steigert die Aufenthaltsqualität, sollte jedoch nie Selbstzweck sein. Erfolgreiche Konzepte überzeugen nicht durch möglichst spektakuläres Design, sondern durch eine Gestaltung, die die Erwartungen der Zielgruppe trifft und die Identität des Standorts unterstreicht.
Mut zur Individualität
Bei der Gestaltung von Handelsgastronomie gibt es durchaus Betreiber, die bewusst neue und ungewöhnliche Wege gehen. Solche Ideen entstehen häufig dort, wo Märkte mehr sein wollen als reine Versorgungsstandorte und ihren Kunden ein besonderes Erlebnis bieten möchten.
Wie außergewöhnlich Handelsgastronomie heute gedacht werden kann, zeigt ein aktuelles Projekt: Dort führt ein digital inszenierter Birkenwald die Besucher durch verschiedene Bereiche des Marktes. Die Gestaltung zieht sich sogar bis in den Zugangsbereich der Sanitäranlagen und schafft so ein unerwartetes Raumerlebnis.
Solche Konzepte beweisen, dass selbst vermeintlich nebensächliche Bereiche zur Marken- und Erlebniswelt eines Standorts beitragen können. Dadurch entsteht ein Markt, der nicht nur funktional ist, sondern auch Emotionen weckt und im Gedächtnis bleibt.
Wie schafft man es, dass Menschen gerne länger sitzen bleiben?
Ob Menschen in einer Handelsgastronomie nur kurz essen oder gerne länger verweilen, entscheidet sich oft innerhalb weniger Sekunden. Dabei spielen zahlreiche Faktoren zusammen: Raumgestaltung, Licht, Farben, Materialien, Akustik, Möblierung und nicht zuletzt die Präsentation der Speisen. Häufig wirkt diese Atmosphäre unbewusst, hat jedoch großen Einfluss darauf, ob sich Gäste willkommen und wohl fühlen.
Erfolgreiche Gastronomiekonzepte schaffen daher mehr als nur Sitzplätze. Sie gestalten Räume, die Orientierung bieten, ausreichend Bewegungsfreiheit ermöglichen und zum Verweilen einladen. Auch die Wegeführung, die Anordnung der Möbel und die Wahrnehmung von Offenheit oder Enge tragen entscheidend zum Gästeerlebnis bei.
Zunehmend an Bedeutung gewinnt dabei das Thema Beleuchtung. Moderne Lichtkonzepte gehen weit über die reine Funktionsbeleuchtung hinaus und schaffen gezielt unterschiedliche Stimmungen.
Je nach Tageszeit, Jahreszeit oder Anlass können Lichtszenarien für eine angenehme Atmosphäre sorgen, Veranstaltungen unterstützen oder Produkte gezielt in Szene setzen.
Gerade im Zusammenspiel mit hochwertigen Materialien und einer durchdachten Innenarchitektur wird Licht zu einem wichtigen Instrument, um Emotionen zu erzeugen und die Aufenthaltsqualität zu steigern.
Gleichzeitig verändert sich der Anspruch an die Handelsgastronomie. Statt einfacher Sitzbereiche entstehen heute zunehmend vollwertige Gastronomiekonzepte mit eigenständigem Charakter, offenen Küchen, Erlebnisbereichen oder speziellen Serviceangeboten. Der Fokus liegt nicht mehr allein auf der Versorgung, sondern auf der Schaffung von Orten, an denen Menschen gerne Zeit verbringen. Die Aufenthaltsqualität wird damit zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor. Wer seinen Gästen ein stimmiges Gesamterlebnis bietet, schafft die Grundlage für längere Verweildauern, höhere Kundenbindung und eine stärkere Identifikation mit dem Standort.
Robotik als Unterstützung, nicht als Ersatz
Der Einsatz von Robotik hält auch in der Handelsgastronomie Einzug. Besonders im Hintergrund, etwa bei standardisierten Abläufen oder der Speisenzubereitung, bieten automatisierte Systeme interessante Möglichkeiten, Prozesse effizienter zu gestalten und Personal zu entlasten.
Im direkten Gästekontakt wird die Rolle von Robotern jedoch deutlich kritischer bewertet. Gastronomie lebt von persönlicher Interaktion, Service und Aufmerksamkeit – Qualitäten, die sich nur schwer automatisieren lassen. Ein freundlicher Mitarbeiter erkennt individuelle Wünsche, reagiert flexibel auf Situationen und schafft eine persönliche Atmosphäre, die für viele Gäste ein wichtiger Teil des Erlebnisses ist.
Sinnvoll eingesetzt können Roboter dennoch unterstützen, beispielsweise beim Abräumen oder Transportieren von Geschirr. Dadurch gewinnen Mitarbeitende mehr Zeit für den Gast und können sich stärker auf Beratung und Service konzentrieren.
Die Zukunft liegt daher weniger im vollständigen Ersatz von Mitarbeitenden als vielmehr in einer intelligenten Kombination aus Technologie und menschlicher Gastfreundschaft. Denn gerade in Handelsgastronomie-Konzepten, die als Treffpunkt und Erlebnisort konzipiert sind, bleibt der Mensch ein zentraler Erfolgsfaktor.
Was sind klassische Fehler bei der Planung von Handelsgastronomie?
Einer der häufigsten Fehler bei der Planung von Handelsgastronomie besteht darin, sich zunächst auf die Ideen und Wünsche für das Konzept zu konzentrieren, ohne die betrieblichen und technischen Rahmenbedingungen ausreichend zu berücksichtigen. Denn ein attraktives Gastronomiekonzept ist nur dann erfolgreich, wenn auch die Abläufe im Hintergrund reibungslos funktionieren.
Besonders wichtig sind eine durchdachte Prozessplanung, effiziente Warenströme sowie die richtige technische Infrastruktur. Anforderungen wie Abluftanlagen, Fettabscheider, Stromversorgung oder Brandschutz haben oft erheblichen Einfluss auf die Umsetzbarkeit und die Investitionskosten eines Projekts.
Wer diese Faktoren zu spät berücksichtigt, riskiert hohe Zusatzkosten oder umfangreiche Anpassungen in der weiteren Planung. Deshalb sollten technische Voraussetzungen und Wirtschaftlichkeit bereits in einer frühen Projektphase geprüft werden.
Gleichzeitig zeigt die Praxis: Für nahezu jede Herausforderung gibt es eine Lösung. Entscheidend ist der offene Austausch aller Beteiligten. Je früher mögliche Einschränkungen erkannt werden, desto flexibler lassen sich Konzepte anpassen, ohne die ursprüngliche Idee aus den Augen zu verlieren.
Frische zum Mitnehmen inszenieren
Convenience- und Pre-Pack-Angebote entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Baustein moderner Handelsgastronomie. Entscheidend für den Erfolg ist dabei nicht nur das Produkt selbst, sondern auch seine Platzierung und Inszenierung im Markt.
Besonders erfolgreich sind Konzepte dort, wo Frische und handwerkliche Herstellung unmittelbar erlebbar werden. Deshalb werden Homemade-Convenience-Angebote häufig in unmittelbarer Nähe zur Obst- und Gemüseabteilung positioniert. Das Frischeumfeld schafft Vertrauen und unterstreicht die Qualität der Produkte.
Um vorbereiteten Speisen mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, setzen viele Märkte auf sogenannte Erlebniswelten.
Offene Vorbereitungsbereiche, Salatbars, Backwarenangebote oder kleine Produktionszonen machen sichtbar, wie die Produkte entstehen. Dadurch wird aus einem verpackten Gericht mehr als nur ein Artikel im Kühlregal: Es wird Teil eines gastronomischen Gesamterlebnisses.
Besonders gefragt sind solche Angebote bei Kundinnen und Kunden, die wenig Zeit haben, aber dennoch Wert auf frische und hochwertige Mahlzeiten legen. Sie möchten ihren Einkauf schnell und unkompliziert erledigen und finden an einem zentralen Ort alles, was sie für die Mittagspause oder das Abendessen benötigen.
Damit dieses Konzept funktioniert, muss jedoch auch der Einkaufsprozess darauf abgestimmt sein. Wer eine sogenannte Fast Lane für den schnellen Einkauf schafft, sollte ebenso kurze Wege zur Kasse ermöglichen.
Jetzt reinhören: Folge 3 „Handelsgastronomie“
Die dritte Folge von Thekentalk zeigt, dass die Handelsgastronomie eine immer größere Rolle im Lebensmitteleinzelhandel spielt – ein durchdachtes Konzept und eine tiefgehende Standortanalyse aber das A und O bei der Umsetzung sind.
👉 Hier geht es zur dritten Folge unseres Podcasts „Thekentalk“:
Freuen Sie sich auch in Zukunft auf weitere Folgen rund um Ladenbau, Food Retail und die Entwicklungen in der Foodbranche.
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